{"id":21036,"date":"2019-03-27T12:55:29","date_gmt":"2019-03-27T10:55:29","guid":{"rendered":"https:\/\/archive.opera.lviv.ua\/?p=21036"},"modified":"2019-03-27T12:55:29","modified_gmt":"2019-03-27T10:55:29","slug":"lviv-lemberg-nationaloper-lohengrin-stuttgart-die-liebe-zu-den-orangen-see-life-in-pink-but-do-not-wear-it","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archive.opera.lviv.ua\/en\/lviv-lemberg-nationaloper-lohengrin-stuttgart-die-liebe-zu-den-orangen-see-life-in-pink-but-do-not-wear-it\/","title":{"rendered":"LVIV (Lemberg)\/ Nationaloper: LOHENGRIN \/ STUTTGART: DIE LIEBE ZU DEN ORANGEN. \u201cSee life in pink, but do not wear it!\u201d"},"content":{"rendered":"<div id=\"meta\">21.03.2019 |\u00a0<a href=\"https:\/\/onlinemerker.com\/category\/allgemein\/\" rel=\"category tag\">Allgemein<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/onlinemerker.com\/category\/kritiken\/oper\/\" rel=\"category tag\">Oper<\/a><\/div>\n<div class=\"entry\">\n<p>Dr. Adelina Yefimenko hat eine Vorstellung in der Stuttgarter Oper (\u201eLiebe zu den drei Orangen\u201c) besucht, drei Wochen sp\u00e4ter ist sie nach Lemberg gereist und war in der Lviv Oper. Die Neuinszenierung \u201eLohengrin\u201c des deutschen Regisseurs Michael Sturm hat sie sehr beeindruckt. Auch die Parallelen, die zwischen diesen beiden Inszenierungen entstanden waren, fand sie\u00a0 sehr treffend und hat die Eindr\u00fccke in eine Rezension gefasst<\/p>\n<p><em>\u00a9Adelina Yefimenko, 2019<\/em><\/p>\n<p><strong>\u201eLohengrin\u201c als Masken-Theater und \u201eDie Liebe zu drei Orangen\u201c als Computer-Spiel.<\/strong><\/p>\n<p>\u201cSee life in pink, but do not wear it!\u201dIn einem der bekanntesten Aphorismen von Karl Lagerfeld meinte die wohl ber\u00fchmteste (mittlerweile verstorbene) Mode-Ikone der Gegenwart, dass Rosa-Kleider den Eindruck von Geschmacklosigkeit erwecken. Gewisserma\u00dfen wurde das Rosa-Kleid in seiner Mode-Welt mit dem Symbol des Infantilismus, der Naivit\u00e4t.\u00a0 sogar der Dummheit verbunden.<\/p>\n<p>In den zwei\u00a0 letzten Neuinszenierungen, die ich besuchte, trugen Pink und Rosa sowohl der K\u00f6nig\u00a0 aus Wagners \u201eLohengrin\u201c an der Lviv Nationaloper (Ukraine) als auch der melancholische Prinz aus Prokofjews \u201eLiebe zu drei Orangen\u201c an der Stuttgarter Staatsoper. Die beiden Inszenierungen, ebenso eigenartig wie das Weltbild der Komponisten, hatten nicht nur die Regie-Idee \u201esee life in pink, but do not wear it\u201c gemeinsam. Auch die B\u00fchnenbilder zeigten ein extrem intensives, irrational und psychodelisch wirkendes, surrealistisches Konzept (dar). Die grelle und fabelhafte B\u00fchnenvision in der Oper Prokofjews von\u00a0<strong><em>Saskia Wunsch<\/em><\/strong>\u00a0mit dem Lichtdesign von\u00a0<strong><em>Reinhard Traubund<\/em><\/strong>\u00a0und fantastischen Kost\u00fcmen von\u00a0<strong><em>Bettina Werner<\/em><\/strong>schufen viele interessante Parallelen zu den blau-gr\u00fcnen sowie rosa-orangen Visionen des Raums-Spiels in \u201eLohengrin\u201c. Die B\u00fchne und Kost\u00fcme kreierte f\u00fcr die Lviver Neuinszenierung der \u00d6sterreicher\u00a0<strong><em>Matthias Engelmann<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-204941\" src=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/lo1.jpg\" sizes=\"(max-width: 678px) 100vw, 678px\" srcset=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/lo1.jpg 678w, https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/lo1-300x182.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"678\" height=\"411\" \/><em><br \/>\n\u201eLohengrin\u201c, Lviv Nationaloper. K\u00f6nig Heinrich der Vogler \u2013 Yurii Trytsetskyi, Telramund \u2013 Stefan Drobit.\u00a0<\/em><em>Foto: @<\/em><em>Ruslan Lytwyn<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-204943\" src=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orangen1.jpg\" sizes=\"(max-width: 668px) 100vw, 668px\" srcset=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orangen1.jpg 618w, https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orangen1-300x195.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"668\" height=\"433\" \/><em><br \/>\n\u201eDie Liebe zu drei Orangen\u201c. Stuttgarter Staatsoper. Pronz \u2013 Elmar Gillbertsson, Truffaldino \u2013 Daniel Kluge.\u00a0<\/em><em>Foto: \u00a9Matthiar Baus.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>Klar, dass Prokofjews M\u00e4rchen-Oper zur Scherz, Parodie und Ironie inspiriert wie ihre literarische Quelle von Carlo Gozzi \u2013 den venezianischen Meister der Fiabi teatrali, Comedia-dell\u2019arte. Der Regisseur\u00a0<strong><em>Axel Ranisch<\/em><\/strong>\u00a0verwandelt aber das M\u00e4rchen in ein Computer-Spiel und erfindet neue Hauptdarsteller wie den kleinen Jungen Serioscha als k\u00fcnftiges IT-Genie. Sein virtuelles, Au\u00dfer-sich-Sein beeinflusst alle Figuren, die Spa\u00df und Bedrohung zugleich ausstrahlen. Die Szenerie \u201eDer Liebe zu drei Orangen\u201c entwickelt sich zu einer abenteuerlichen Synthese der virtuellen, theatralischen und realen Welten. Der melancholische Prinz im dicken Rosa-Wintermantel (sehr treffende Besetzung mit\u00a0<strong><em>Elmar Gilbertsson<\/em><\/strong>) spiegelt den Konflikt des Jungen mit seinem Vater im Kampf zwischen der Rosa-Computer-Traumwelt und dem Richtig-Handeln-Zwang des Vaters wider.<\/p>\n<p>Anders wirkt die Interpretation des Wagners-Mythos im Rampenlicht der Comedia-dell\u2019arte von\u00a0<em><strong>Michael Sturm<\/strong>,\u00a0<\/em>mit dem der Intendant\u00a0<em><strong>Vasyl<\/strong>\u00a0<strong>Vovkun<\/strong><\/em>\u00a0nach der gelungenen Premiere eine breite Kooperation plant.<\/p>\n<p>Eine derartige Gattungs-Transformation des Regie-Teams signalisiert eine psychoanalytische Deutung des Frageverbots im \u201eLohengrin\u201c. Lohengrin ist ein Zirkus-Akteur, ein Pagliaccio. Der Regisseur verwandelt den Gralsritter in den Zirkus-Wei\u00dfclown Pierrot, denn Lohengrin, wei\u00df angezogen und geschminkt, mit melancholischem L\u00e4cheln, schiebt auf der B\u00fchne den riesigen Weichtier-Schwan vor sich her. Lohengrin begr\u00fc\u00dft theatralisch das Clown-Kollektiv auf der B\u00fchne und das Publikum. Er positioniert sich nicht als Erl\u00f6ser. Wenn er aber zu Elsa spricht \u201eNie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen\u2026\u201c\u2013spielt er den authentischen Pierrot \u2013 autorit\u00e4r, penetrant und arrogant. Nun, sollten wir Pagliaccios Worte ernst nehmen?<\/p>\n<p>Der Schwan kommt aus der Zuschauerraum auf die B\u00fchne, verkleidet als Clown-Weichtier im eleganten Mantel mit dem Holz-Case (was ist drin?). Die markante Karikatur eines Elite-Vertreters? Dabei schaut er das Publikum so streng an, dass pl\u00f6tzlich Schostakowitschs \u201eNase\u201c und Nase-Staatsrat in den Sinn kommt. Sp\u00e4ter wird er vom Heerrufer des K\u00f6nigs festgenommen, gefesselt und zusammen mit vier brabantischen Edlen zur Schau \u00fcber die B\u00fchne gef\u00fchrt. Im Finale kommt der Schwan frei und nimmt den Platz auf dem Bett neben einer Frau aus dem Brabanter-Volk ein. Er schickt den Lohengrin nicht nach \u201eMonsalvat\u201c zur\u00fcck, er verwandelt sich nicht zu Elsas Bruder Gottfried, er bleibt nur sitzen, erm\u00fcdet und fremd. Der neue Herzog von Brabant bleibt unerkannt. Lohengrin wischt seine Gesichtsfarbe ab und geht weg. Diese Comediaist f\u00fcr ihn \u201ela Finita\u201c. Auf ihn warten neue B\u00fchnen des Welttheaters.<\/p>\n<p>Auf dem\u201eJahrmarkt\u201c des Herzogtums Brabant herrscht vor allem der Heerrufer des K\u00f6nigs \u2013 ein Zirkus-Conf\u00e9rencier, der bestimmt, wann der Vorhang ge\u00f6ffnet wird und wann der Vorhang f\u00e4llt. Im Rampenlicht erscheint er, um aktuellste Messages im Megaphon zu verk\u00fcnden (schauspielerisch und vokal pr\u00e4sent\u00a0<strong><em>Mykola Kotnutiak<\/em><\/strong>). Am Ende schaut er ins Leere und ruft in den Zuschauerraum: \u201eSeht da, den Herzog von Brabant, zum F\u00fchrer sei er euch ernannt\u201c. Solche Interaktionen mit dem Publikum sind immer treffend und schl\u00fcssig. Anfangs ruft er nach Elsas Erl\u00f6ser ins Publikum, im Finale deutet er an: jeder darf sich zur Herzogs-Wahl von Brabant anmelden. Im ukrainischen Opernhaus \u201eam Vorabend\u201c der Pr\u00e4sidenten-Wahl mit der Rekordzahl an Bewerbern (39) spannt dieses absurde Theater einen Bogen in die Politik-Groteske, was nicht unbedingt das Ziel des Regisseurs war.\u00a0<strong><em>Michael Sturm<\/em>\u00a0<\/strong>vermeidet die Aktualisierung mit der Gegenwart. Die monotone Drehung eines riesigen Ventilators an der linken Wand bildet ein in sich bewegliches Symbol der Zeitlosigkeit.<\/p>\n<p>Das Publikum f\u00fchlte sich oft als Teilnehmer der Vorstellung, was immer wieder theatralisch h\u00f6chst wirksam ist. Mal wieder eine neue originelle Version des Theaters im Theater! Das Theater reflektiert sich auf diese Weise selbst!<\/p>\n<p>Dem Regisseur geht es im \u201eLohengrin\u201cum die totale Genre- und Sinn-Konversion \u2013 nicht nur um den Mythos in den Parodie-Korpus umzuformen (es w\u00e4re dann nur die Spitze des Eisbergs).Comedia-dell\u2019arte spielt an der Oberfl\u00e4che, fast wie im Strauss\u2019schen Sinn f\u00fcr das Theater:\u201eDie Tiefe muss man verstecken. Wo? An der Oberfl\u00e4che\u201c. Die Akteure der neuen Lohengrin-Geschichte \u2013 Heinrich der Vogler als M\u00e4rchenk\u00f6nig in Rosa, Lohengrin als Pierrot, Friedrich von Telramund als japanischer Samuraj in reich verzierter R\u00fcstung, die sehr wenig Bewegungen gestattet \u2013 besuchen ver<strong>tr\u00e4um<\/strong>te,(sic!)<strong>traum<\/strong>atischeFrauen, die alle im Betten liegen.<\/p>\n<p>Die marionettenhaften Gestalten bewegen sich \u00e4hnlich wie vom Computer gesteuerte Figuren aus Prokofjews M\u00e4rchen-Spiel von\u00a0<strong><em>Axel Ranisch<\/em><\/strong>. In beiden Inszenierungen verwischen sich die Grenze zwischen Wirklichkeit und Irrealit\u00e4t: die kontroverse Version des Raums vom engen zum offenen, virtuellen, quadratisiertin gro\u00dfen Pixel surreale, psychodelischeLandschaften, ebenso die Prinzessinnen, die nicht aus den Orangen, sondern aus den gigantischen Computer-M\u00e4usen auftauchen.<\/p>\n<p>Das gr\u00fcn-blaue quadratische Zimmer im \u201eLohengrin\u201cmit W\u00e4nden und B\u00f6den aus weichen Gummi-Stoff (ebenfalls quadratisch gemustert) hat zwei T\u00fcren, durch die das Volk von Brabant, die Speer-Ritter in gleichen goldenen Masken taumeln. Sind sie gekommen, um Frauen zu sch\u00fctzen oder um sie zu \u00fcberwachen?<\/p>\n<p>Alle Frauen gleichen sich ebenfalls und teilen sich in zwei Gruppen:die blau-gr\u00fcn-haarigen und die rot-orange-haarigen. Links sammeln sich die Tr\u00e4umerinnen in Erwartung auf den Prinz, Erl\u00f6ser oder einfach zur Liebe f\u00e4higen Mann. Elsa ist eine von ihnen. Rechts \u2013 die temperamentvollen, kampfbereiten und souver\u00e4nen Frauen, wie Ortrud. Sie hat ihren Ehemann bekommen \u2013 einen Samurai-Krieger. Elsa erscheint ihr Traummann als Wei\u00dfclown, der ihr sagt: \u201eElsa, ich liebe Dich\u201c und sp\u00e4ter: \u201eNie sollst Du mich befragen\u201c. Damit scheitern alle Hoffnungen auf die bedingungslose Liebe.<\/p>\n<p>Dank der vielen kleinen Rampenlichter, die die Hauptb\u00fchne eins\u00e4umen, dank der schrillen Sch\u00f6nheit der Lichtgestaltung und der bunten Clownerie kommt man nicht sofort auf die Idee, dass in diesem \u201eTheater im Theater\u201ceine Comedia-dell\u2019arte namens \u201eLohengrin\u201c in einer psychiatrischen Klinik f\u00fcr Frauen aufgef\u00fchrt wird, dass die blau-gr\u00fcnen Frauenkleider mit \u00fcberlangen \u00c4rmeln die Zwangsjacken gleichen. Wie lange sind die Frauen eigentlich schon krank? Seit der Geburt, der Hochzeit, der Ehescheidung? Im Tr\u00e4umen verlieren sie sich die, denen Unrecht getan wurde. Die sch\u00f6nen jungen M\u00e4dchen verbringen den ganzen Tag auf dem Bett des Irrenhauses, an einem Ort, an dem der ewig gleiche Alltag ins Irreale abdriftet und lang versch\u00fcttete Erinnerungen in die Realit\u00e4t einbrechen.<\/p>\n<p>Der Regisseur deutet das Verhalten von psychisch Kranken und setzt in der Personen-Regie meisterhaft das Bild der zerbrechlichen Seelen in zerbrechliche Gestik um. Manchmal genie\u00dfen die jungen Damen von Brabant die Momente, in denen die Akteure nicht pr\u00e4sent sind. Zum Beispiel, wenn die Figuren von Lohengrin und Telram und nach dem Kampf wie Spielzeug weggeworfen werden, wenn der Rosa-K\u00f6nig Heinrich und Lohengrin betrunken herumliegen, wenn Telramund im lethargischen Schlaf dasitzt w\u00e4hrend Elsa und Ortrud das sch\u00f6nste Duett \u00fcber Gl\u00fcck und Frieden singen. Solche Mise en Sc\u00e8ne deutenSchw\u00e4che, Nutzlosigkeit, Passivit\u00e4t der M\u00e4nner-Gestalten an, die zum Lebens-Prinzip geworden sind.<\/p>\n<p>Im zweiten Akt bleiben auf der B\u00fchne von achtundzwanzig Betten nur zwei. Durch die gro\u00dfen Dimensionen dieser beiden Betten wirken die Liebes-Paare Elsa\/Lohengrin und Ortrud\/Telramund optisch klein. Die Assoziationen zu \u201eAlice im Wunderland\u201c liegen auf der Hand. Die Frauen sehnen sich nach Wunderland, (von denen) nur Ortruds Haltung mit breit gestreckten Armen wirkt immer wach, stark und sicher. Die Hochzeitszene weckt dann alle Frauen aus dem Schlaf. Der B\u00fchnenraum, der vorher beengt wirkte, \u00f6ffnet seine Perspektive nach au\u00dfen. Rituell kreisend erinnert diese\u201eOpfer-Prozession\u201c an Strawinskys\u00a0<em>Le sacre du printemps,\u00a0<\/em>erweckt einen unglaublich starken doppelb\u00f6digen Eindruck. Es gibt viele exzellente Momente in dieser sanften Choreographie: synchron, und flie\u00dfend, wie vertr\u00e4umte Rheint\u00f6chter. Das Theater als Psychotherapie wird zum Kern der Lohengrin-Geschichte von\u00a0<em>Michael Sturm<\/em>.<\/p>\n<p>F\u00fcr seine M\u00e4nner-Gestalten brauchte der Regisseur keine starken Helden-Ten\u00f6re. Allerdings zeigte sich die M\u00e4nnerbesetzung nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch stimmlich blass (<strong><em>Nutthaporn Thammathi<\/em>\u00a0<\/strong>und\u00a0<strong><em>Roman Corentsvit<\/em>)<\/strong>. Die Neuproduktion \u201eLohengrin\u201c entstand aus der Idee des Musikdirektors\u00a0<strong><em>Myron Yusypovych<\/em><\/strong>, der die Partitur-Ausgabe von 1887 (Leipzig, Breitkopf und H\u00e4rtel) in der Hand hatte. Obwohl der Dirigent die Helden-Ten\u00f6re sowie das B\u00fchnenbild auf Grund von origin\u00e4ren Partitur-Hinweisen Richard Wagners vermisste, entwickelte sich das Orchester dynamisch entsprechend dem Wagners Klangrausch. Die Frauenbesetzung\u00a0<strong><em>Olesia Bubela<\/em><\/strong>\u00a0und\u00a0<strong><em>Alla Rodina<\/em><\/strong>\u00a0als Elsa und\u00a0<strong><em>Mariia Berezowska<\/em><\/strong>\u00a0und\u00a0<strong><em>Liudmyla Savchuk\u00a0<\/em><\/strong>als Ortrud agierten hervorragend, besonders die Mezzosopranistinnen mit guten Wagner-Stimmen.<\/p>\n<p><strong>Fazit.\u00a0<\/strong>Einen traurigen Apell senden die beiden Regisseure Michael Sturm und Axel Ranisch an die gescheiterte M\u00e4nner-Welt, die keine Liebe mehr kennt: Lohengrin,Telramund, K\u00f6nig von Brabant, derPrinz, sein Vater, Celio, Leander\u2026Im\u00a0<strong>Computer-Spiel<\/strong>\u201eDer Liebe zu drei Orangen\u201c sowie im\u00a0<strong>Masken-Theater<\/strong>\u201eLohengrin\u201chandeln die Zauberer und Zauberinnen, Frauen und M\u00e4nner, Akteure und Verr\u00fcckte, die einander hassen, ausn\u00fctzen, traumatisieren oder aber gleichg\u00fcltig bleiben.<\/p>\n<p>Auf der B\u00fchne bringen die Regisseure in ihren Inszenierungen ein visuelles K\u00fcrzel f\u00fcr ihre Gedanken. Sie suchen nach Ankern in der Gegenwart, um die alten Geschichten und Mythen dort einzuhacken und die Zuschauer zu ber\u00fchren. Handeln vollzieht sich immer im Spannungsfeld zwischen Seelenverfassung und Pflicht. Der Prinz sowie der Lohengrin-Clown sind Tr\u00e4umer. Das macht sie sympathisch, zugleich aber auch schwach und belanglos. Beide K\u00f6nige, die als Pragmatiker und Landherrscher f\u00fcr die Geschichte verantwortlich sein sollten, bilden sowohl bei Wagner als auch bei Prokofjew keine Alternative. Sie scheitern immer wieder in den modernen Auslegungen verschiedener Regisseure.<\/p>\n<p>Das Finale in beiden Opern halten das Publikum bis zur letzten Sekunde gespannt: \u201ewenn wir mit der alten Welt gebrochen haben und die neue noch nicht formen k\u00f6nnen, tritt die Satire, die Groteske, die Karikatur, der Clown und die Puppe auf\u201c. Diese Zeilen des \u00f6sterreichisch-deutschen Dadaisten Raoul Hausman k\u00f6nnte als passender Schl\u00fcssel f\u00fcr beide Inszenierungen gelten \u2013 Prokofjews \u201eDie Liebe zu den drei Orangen\u201c von Axel Ranisch (Oper Stuttgart) und Wagners \u201eLohengrin\u201c von Michael Sturm (Lviv Nationaloper). Die Synthese von Mythos, Comedia-dell\u2019arte, Psychoanalyse, Farce, Kitsch in postmodernen Opern-Konzepten zerbricht unsere gegenw\u00e4rtige Weltwahrnehmung in eigenartige Fragmente. Dabei vertrauen wir der historischen, kulturellen sowie gesellschaftlichen Wirkung des Theaters. Lohengrins Frageverbot interpretiert Michael Sturm als Freiheitsverbot und erwartet, dass das Theater immer wieder neue Frage stellt, um das Publikum zur Selbstreflexion anzuregen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erkl\u00e4rende Fotos:\u00a0<\/strong><strong><em>Lohengrin\u201c. Lviv Nationaloper. Foto: @<\/em><\/strong><strong><em>\u00a0Ruslan Lytwyn<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-204945\" src=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/lo4.jpg\" sizes=\"(max-width: 679px) 100vw, 679px\" srcset=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/lo4.jpg 679w, https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/lo4-300x140.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"679\" height=\"316\" \/><em><br \/>\n\u201eLohengrin\u201c, Lviv Nationaloper. Elsa \u2013 Olesia Bubela, Lohengrin \u2013 Roman Corentsvit.\u00a0<\/em><em>@<\/em>\u00a0<em>Ruslan Lytwyn.<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-204940\" src=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/lo5.jpg\" sizes=\"(max-width: 679px) 100vw, 679px\" srcset=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/lo5.jpg 679w, https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/lo5-300x195.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"679\" height=\"441\" \/><em><br \/>\n\u201eLohengrin\u201c, Lviv Nationaloper. K\u00f6nig Heinrich der Vogler \u2013 Yurii Trytsetskyi. Chor der Lviv Nationaloper.<\/em><em>@\u00a0<\/em><em>Ruslan Lytwyn<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-204946\" src=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/loh3.jpg\" sizes=\"(max-width: 679px) 100vw, 679px\" srcset=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/loh3.jpg 679w, https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/loh3-300x196.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"679\" height=\"444\" \/><em><br \/>\n\u201eLohengrin\u201c, Lviv Nationaloper. Telramund \u2013 Stefan Drobit, Ortrud \u2013 Mariia Berezowska.\u00a0<\/em><em>@<\/em>\u00a0<em>Ruslan Lytwyn<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong><em><br \/>\nDie Liebe zu drei Orangen\u201c. Stuttgarter Staatsoper. Foto: @Matthias Baus.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-204947\" src=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orange2.jpg\" sizes=\"(max-width: 603px) 100vw, 603px\" srcset=\"https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orange2.jpg 603w, https:\/\/onlinemerker.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/orange2-300x199.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"603\" height=\"399\" \/><br \/>\n<em>Copyright: Matthias Baus<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.03.2019 |\u00a0Allgemein,\u00a0Oper Dr. Adelina Yefimenko hat eine Vorstellung in der Stuttgarter Oper (\u201eLiebe zu den&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":20814,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,89],"tags":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v17.7.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>LVIV (Lemberg)\/ Nationaloper: LOHENGRIN \/ STUTTGART: DIE LIEBE ZU DEN ORANGEN. \u201cSee life in pink, but do not wear it!\u201d - 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